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Bücher

Mastering the Art of Magic - Eugene Burger

Eugene Burger · 2000

Mastering the Art of Magic ist kein gewöhnliches Zauberbuch. Wer einfach nur möglichst viele neue Methoden und Tricks sucht, findet wahrscheinlich modernere Bücher. Wer dagegen verstehen möchte, warum manche Zauberkünstler mit einfachen Effekten ein Publikum fesseln können, während andere mit technisch schwierigem Material kaum Emotionen erzeugen, findet hier außergewöhnlich viel Stoff. Das Buch erschien 2000 und versammelt mehrere frühere Schriften Eugene Burgers aus den 1980er-Jahren in einem großen Hardcover-Band. Die ursprünglichen Texte wurden neu gesetzt und durch fast 200 Illustrationen von Earle Oakes ergänzt.

Besonders interessant sind Burgers spätere Kommentare: Er blickt Jahre später auf seine eigenen Routinen und Gedanken zurück, erklärt, was er inzwischen anders macht und warum bestimmte Effekte aus seinem Repertoire verschwunden sind.

Worum geht es?

Das Buch bewegt sich ständig zwischen praktischer Magie und Performance-Theorie.

Burger beschäftigt sich unter anderem mit Fragen wie:

- Wie baut man eine echte Beziehung zum Publikum auf?
- Wie wichtig sind Stille, Timing und Blickkontakt?
- Warum sollte ein Zauberkünstler ein Script entwickeln statt einfach nur „Patter“ zu sprechen?
- Wie bindet man Zuschauer aktiv in einen Effekt ein?
- Wie verändert sich Close-up-Magie in Restaurants und professionellen Auftrittssituationen?
- Wie entwickelt man aus einem Trick eine wirkliche Performance?

Gerade dieser letzte Punkt zieht sich durch das gesamte Buch. Burger interessiert sich weniger dafür, wie clever eine Methode ist, als dafür, was das Publikum tatsächlich erlebt.

Welche Tricks sind enthalten?

Trotz des starken theoretischen Anteils ist Mastering the Art of Magic keineswegs nur ein Essayband. Das Buch enthält eine ganze Reihe praktischer Routinen und Ideen aus Burgers Repertoire.

Unter anderem beschäftigt er sich mit Routinen und Ideen rund um:

- Mullica Wallet
- Brainwave Deck
- Ashes on the Hand / A Voodoo Ritual
- Slow Motion Bill Transposition
- Torn and Restored Thread
- Produktion eines gefüllten Shot Glass
- Kartenproduktionen und Kartenenthüllungen
- Flash Paper
- Glorpy / Ghost Handkerchief
- Geld- und Transpositionseffekte

Einige dieser Ideen entwickelten sich später zu bekannten Burger-Routinen und Produkten.

Die eigentliche Stärke liegt jedoch häufig weniger im Trick selbst als darin, zu beobachten, wie Burger aus einer vergleichsweise einfachen Methode eine vollständige Performance entwickelt.

Was ist besonders gut?

Die größte Stärke des Buches ist, dass Burger Theorie und Praxis nicht voneinander trennt.

Er schreibt nicht einfach, dass Zuschauerbeteiligung wichtig ist. An seinen Routinen lässt sich erkennen, wie er diese Überzeugung tatsächlich in seine Arbeit integriert.

Ein großer Teil seines Repertoires bezieht die Zuschauer unmittelbar in das Geschehen ein. Dadurch passiert die Magie nicht einfach vor dem Publikum, sondern häufig direkt mit ihm.

Auch Burgers spätere Kommentare zu seinen eigenen frühen Texten sind besonders wertvoll.

Er behandelt seine früheren Gedanken nicht als unumstößliche Wahrheiten. Stattdessen erklärt er, was sich bewährt hat, was er später verändert hat und teilweise sogar, warum er bestimmte Effekte irgendwann nicht mehr vorgeführt hat.

Dadurch liest sich das Buch stellenweise wie ein Gespräch mit einem erfahrenen Profi über die Entwicklung seines eigenen Repertoires.

Was gefällt weniger?

Wer Eugene Burger kennt, weiß, dass seine Magie einen sehr ausgeprägten persönlichen Stil besitzt.

Geister, Rituale, Kerzen, Asche, Flash Paper und mysteriöse Geschichten passen hervorragend zu seiner Persönlichkeit - aber eben nicht automatisch zu jedem anderen Magier.

Einige Methoden und Requisiten wirken aus heutiger Sicht außerdem etwas old school.

Das ist allerdings gleichzeitig eine interessante Lektion des Buches: Eine Methode muss nicht neu oder technisch kompliziert sein, um beim Publikum eine starke Wirkung zu erzielen.

Ein weiterer möglicher Kritikpunkt ist, dass man nach dem Lesen nicht zwangsläufig sofort zahlreiche neue Tricks in das eigene Programm übernehmen möchte.

Viele Routinen sind stark mit Eugene Burgers Persönlichkeit verbunden. Wer seine Präsentationen einfach kopiert, läuft Gefahr, Eugene Burger zu imitieren, statt die dahinterliegenden Prinzipien auf die eigene Persönlichkeit zu übertragen.

Wer das Buch hauptsächlich kauft, weil er möglichst viele neue Killer-Tricks für sein nächstes Set sucht, könnte deshalb enttäuscht sein.

Für wen ist das Buch geeignet?

Für komplette Anfänger, die zunächst Kartengriffe, Münztechniken und grundlegende Zaubermethoden lernen möchten, wäre Mastering the Art of Magic nicht unbedingt die erste Wahl.

Wirklich interessant wird das Buch für Zauberkünstler, die bereits Tricks beherrschen und sich irgendwann eine andere Frage stellen:

Wie werde ich von jemandem, der Tricks zeigt, zu einem Magier, der eine wirkliche Performance gestaltet?

Genau hier liegt die Stärke von Eugene Burger.

Es geht um Präsentation, Persönlichkeit, Zuschauerführung, Scripting, Atmosphäre und darum, bewusst darüber nachzudenken, warum man einen bestimmten Effekt überhaupt vorführt.

Fazit

Mastering the Art of Magic ist eher ein Buch über das Magiersein als ein Buch über Zaubertricks.

Ja, es enthält reichlich Material zum Vorführen. Manche Routinen sind hervorragend, andere wirken heute etwas altmodisch oder sind so eng mit Eugene Burgers Persönlichkeit verbunden, dass man sie nicht einfach übernehmen möchte.

Aber das ist nicht der wichtigste Grund, dieses Buch zu lesen.

Seine große Stärke liegt in Burgers Gedanken über Präsentation, Zuschauerbeteiligung, Scripting, Professionalität, Atmosphäre und die bewusste Auswahl eines Repertoires.

Wer hauptsächlich neue Methoden sucht, könnte enttäuscht sein.

Wer bereits zaubern kann und seine Performance verbessern möchte, findet dagegen ein Buch, das man nicht nur einmal liest. Es gehört zu den Büchern, die man Jahre später erneut aus dem Regal holen kann - und wahrscheinlich etwas anderes darin entdeckt als beim ersten Mal.

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